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Der Schwimmer (im Tierversuch)

Der Schwimmer (im Tierversuch)


Er öffnete die Augen und sah sich um. Er war immer noch in diesem hellen, kalten Raum. Mit einem Seufzer schloss er die Augen wieder. Ihm war kalt. Er lag ja nur auf den kalten , weißen Fliesen. Er hatte keine Decke, die die Kälte, die aus dem Boden kam, aufhalten konnte. Sein Kopf schmerzte und seine Glieder taten ihm weh. Dann hörte er Stimmen. Sie riefen nach ihm. Sie riefen : " Nr. 1985 komm her! ³ Er wusste das er gemeint war und so verzog er sich in eine Ecke des Käfigs , indem er schon so lange Zeit verbringen musste. Er erinnerte sich nicht mehr an früher. Die Schmerzen in seinem Kopf
waren zu stark. Er sah den Mann, der ihn immer, jeden Tag aufs Neue, holte.
Er hörte wie ein anderer Mann zu diesem sagte: " Wie lange brauchst du denn um den schwarzen Labrador herzubringen?³ " Er will nicht!³ entgegnete der, der ihm am nächsten stand. "Mach schon! Die anderen müssen auch noch drankommen! ³ Wie? Es gibt noch mehr von ihm? Er war nicht der einzige, der auf kalten Boden schlafen musste? Er war nicht der einzige, den sie jeden Tag holten? Er hatte große Angst. Er zitterte. Die Hand des Mannes strich ihm sanft über den Kopf. "Na komm schon Nr. 1985. Du weißt was mit dir passiert, stimmt¹s? Komm schon Schwarzer oder willst du, dass ich Ärger
bekomme?³ Er wusste, dass er mitgehen musste. Er konnte sich nicht wehren. Zu oft hatte er schon versucht zu entkommen und jedes mal, fingen sie ihn wieder. So ging er mit dem Mann, der ihm während des Laufens am Ohr kraulte.
Er ging voraus, denn er wusste wohin sie ihn bringen würden. Vor dem großen Wasserbecken blieb er stehen und schaute sich um.

Da kamen sie. Fünf Männer in weißen Kitteln mit Schreibtafeln und Stiften in den Händen. Er setzte sich und wartete bis sie bei ihm waren und ihm befahlen in das Becken zu steigen. Er tat wie ihm geheißen wurde und kletterte hinein. Dort wartete er bis man ihn am Halsband an eine Stange gebunden hatte, die in das Becken hinein reichte. Dann spürte er wie der Boden unter seinen Füßen sich bewegte und das Wasser um ihn herum immer höher stieg. Ruhig wartete er bis es so hoch war, dass er schwimmen musste.
Er kannte das alles ja schon. Er schwamm. Ruhig und gelassen immer im Kreis, denn die Stange an seinem Hals erlaubte ihm nicht an den Wänden hinaufzuklettern. So schwamm er wie immer. Er wusste, dass es bald enden würde. Und so schwamm er immer weiter. Er spürte, wie er langsam schwächer wurde. Sein Kopf schmerzte und seine Läufe taten ihm weh. Doch er schwamm.
Er schwamm bis er seinen Fang kaum noch über Wasser halten konnte. Da gab er auf. Und stoppte. Er sank tief in das Wasser hinab. Früher hatte er versucht wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen, doch er wusste, dass sie ihn wieder rausholen würden. So auch diesmal. Sie zogen ihn aus dem Wasser. Der Mann der ihn aus seinem Käfig geholt hatte, nahm ein Tuch und trocknete ihm
etwas das Fell. Er hörte wie ein Mann sagte: "Er hat sich verbessert.
6 Stunden, 39 Minuten und 12 Sekunden. Er ist sogar besser als der Retriever.³
Der Mann trug ihn zurück in den Käfig.

Erst als das Licht in dem Raum aus war, erwachte er wieder. Sein Fell war trocken und ihm war kalt. Langsam versuchte er sich aufzurichten. Da fiel ihm auf, dass diesmal etwas anders war an seinem Käfig. Die Tür stand etwas offen. Mit dem Fang schob er die Tür auf und schlich sich zum Lüftungsschacht. Er wusste, wenn er bis dahin gelangen würde, dann wäre er so gut wie frei. Leider hatten sie ihn kurz davor immer einfangen können.
Diesmal jedoch gelang es ihm bis in den Schacht zu kommen. Leise schlich er im Labyrinth der Lüftung entlang. Nach einer Weile blieb er stehen. Er musste sich ausruhen. Sein Kopf schmerzte wieder. Er leckte sich seine Pfoten und schlief ein. Er erwachte weil ihm ein kühler Wind um die Ohren fegte. Er lief weiter. Schnuppernd suchte er sich seinen Weg. Immer dem Wind nach. Und er kam an sein Ziel. Es war hell dort draußen. Mit einem Satz sprang er aus dem Lüftungsschacht. Wie es sich anfühlte Sand unter den Pfoten zuhaben. Er genoss es einen Augenblick und lief dann los. Er kam zu
einem hohen Zaun. Überklettern konnte er ihn nicht. Also blieb nur die Möglichkeit unten durch. So begann er zu buddeln. Da hörte er eine Sirene.
Er sah sich um. Sie kam aus dem Haus , aus dem er gerade geflüchtet war. Er buddelte schneller und da war das Loch groß genug um sich hindurch zu quetschen. Auf der anderen Seite des Zaunes war ein großer Wald. Er lief in den Wald und versteckte sich in einem alten Dachsbau.
Dort schlief er bis zur Nacht.

Als er erwachte, war alles um ihn herum dunkel. Er setzte sich vor die Höhle und witterte eine Hasenspur. Er folgte ihr, denn sie war sehr interessant für ihn. Er kannte solche Gerüche nicht. Am Ende der Fährte lag ein Hasenbau. Er war leer und so zog er weiter. Wohin wusste er nicht. Hauptsache weg von dort. Am Morgen erreichte er den Waldrand. Er sah über ein großes Feld direkt zu einem Haus. Wo Häuser sind dort sind auch Menschen. Und Menschen sollte man lieber aus dem Weg gehen. Aber vielleicht hatten sie etwas zu fressen für ihn. So trottete er langsam zu dem Haus. Vor dem Haus
spielte ein kleiner Mensch mit einem runden Ding. Er sah eine Weile zu und ging dann auf den Mensch zu. Als dieser ihn sah, stellte er sein Spielen ein. Er setzte sich auf den Boden und rief: "Komm her Hundi! Na komm schon, ich tue dir doch nichts. Komm her, komm !³ Er ging zu dem kleinen Menschen.
Als er dort war, strich dieser ihm über den Kopf. Erschrocken zuckte er zusammen. Das kannte er. Danach begannen immer die Qualen. Doch diesmal ging der Mensch weg und kam mit einer Schüssel Milch zurück. "Hier trink das. Du bist sicher hungrig. Schau mal was ich hier habe.³ Der Junge hielt eine Leberwurststulle in der Hand und zeigte sie dem Hund. Dieser nahm sie vorsichtig und fraß sie genüsslich. Zum Dank schleckte er dem Jungen die Hand. In diesem Moment kam der Vater des Jungen aus dem Haus und sah das Geschehen. Er brüllte der Junge solle weggehen und dass er den Hund erschießen würde. Erschrocken rannte er davon. Nun wusste er dass viele
Menschen böse sind. Aber nicht alle.

Er rannte über eine große Wiese, Plötzlich vernahm er ein ohrenbetäubendes Geräusch erschrocken suchte er Deckung, doch er fand keine auf dieser großen Wiese. Da war plötzlich ein riesiger Vogel über ihm, dessen Flügel im Kreis rotierten und der kleine Steine spuckte, die ihn nur knapp verfehlten. So lief er und lief, so schnell ihn seine Pfoten tragen konnten. Nach einiger Zeit der Flucht kam er an ein riesiges Becken mit Wasser. Nun wusste er Bescheid. Die Männer in den weißen Kitteln hatten ihn gefunden und stellten
ihn abermals auf die Probe. So stieg er in das salzige Wasser des Meeres.
Ruhig lief er bis es so hoch war, dass er schwimmen musste. Er kannte das alles ja schon. Er schwamm. Ruhig und gelassen immer geradeaus. Diesmal war keine Stange an seinem Hals. Diesmal gab es auch keine Wände, an denen er hätte hoch klettern können. So schwamm er wie immer. Er wusste, dass es bald enden würde. Und so schwamm er immer weiter. Nach einer Ewigkeit spürte er,
wie er langsam schwächer wurde. Wieder schmerzte sein Kopf und seine Läufe taten ihm weh. Doch er schwamm. Er schwamm bis er seinen Fang kaum noch über Wasser halten konnte. Da gab er auf. Und stoppte. Diesmal holten sie ihn nicht heraus. Diesmal sank er und er versuchte nicht wieder an die Oberfläche zu gelangen, denn dort warteten sie. Und so sank er immer tiefer bis zum Grund, doch das spürte er nicht mehr.

((Quelle leider unbekannt))

Autor: Diana Steinberger -- 12.3.2011 17:41:54

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